NOKUTENDA

Liebe Familie und liebe Freunde, die Ihr miteinander Noku unterstützt

Zum Glück scheint sich die allgemeine Infektionslage bei uns zu bessern und langsam können wir langersehnte Kontakte wieder aufnehmen oder zu einer Sommereise aufbrechen. Das sind wunderbare, lang erhoffte Nachrichten und wir spüren wahrscheinlich alle, wie sich die Anspannung der letzten Monate langsam in eine Vorfreude umwandelt.

Wir sind in einem konstanten Austausch mit Gordon (dem Schulleiter), Bernd Doppelfeld (Kontaktmann des Senior Expert Service in Harare) sowie den Schwestern der Missionsdominikanerinnen vor Ort.

Die Informationslage bleibt in Zimbabwe unüberschaubar. Scheinbar sind die Infektionszahlen trotz der nur mäßig einzuhaltenden Abstands- und Hygieneregeln nicht so dramatisch angestiegen wie anfangs befürchtet und die Todeszahlen scheinen glücklicherweise moderat, soweit es einschätzbar ist. Zum einen trägt sicher das Durchschnittsalter der Bevölkerung, das aktuell bei 18.7 liegt, zur geringeren Sterblichkeit bei und zum anderen wird es eine höhere Dunkelziffer geben, die nicht erfasst ist. Aber derweil wir das Schreiben verfassen breitet sich die Deltavariante ja auch besonders im südlichen Afrika aus und die Entwicklung bleibt weiterhin offen und wenig einschätzbar.

Der Lockdown ist seit einigen Wochen aufgehoben und die Schule durfte ab Ende März ihre Arbeit wieder aufnehmen. Keine der Mitarbeiter oder der Familie der Kinder sind bisher an COVID erkrankt, worüber wir sehr dankbar sind. Bis auf eine Mitarbeiterin haben alle Lehrerinnen ihren Dienst in der Schule wieder antreten können. In der Zwischenzeit hat eine Lehrerin ihr zweites Kind geboren und eine Mitarbeiterin hat sich zu einer autismusspezifischen Fortbildung in den USA angemeldet, wo sie ihre Fachkompetenz während des nächsten Jahres ausweiten wird.

Noku wurde während der monatelangen Schulschließungen von den Mitarbeiterinnen des Kinderheims der Missionsdominikanerinnen, die ihn betreuen, im homeshooling unterrichtet. Die leitende Ordensschwester dort berichtet, dass er sich an die veränderten Bedingungen habe ganz gut anpassen können und sie bezüglich seiner Entwicklung zufrieden sei. Allerdings zeigt er, wie alle Kinder, die die herausfordernde Zeit der Pubertät ansteuern, vereinzelt trotziges und abwehrendes Verhalten. In der Schule zeigt er sich angepasster und lernmotiviert und sein Lehrer ist sehr zufrieden mit seiner Lernhaltung.

Da wir aktuell und in absehbarer Zeit aufgrund der Pandemie nicht nach Harare reisen können, haben wir uns zu einem Besuch im Kloster Strahlfeld, dem Mutterhaus der Missionsdominikanerinnen in Bayern entschieden, um Sr Geraldine, die von Deutschland aus die Unterstützung von Pathways koordiniert und voranbringt, zu treffen und mit ihr im Allgemeinen die weitere Perspektive der Schule und im Besondern Nokus Perspektive in Augenschein zu nehmen.

Sr. Geraldine hatte gehofft, als Oberin des Klosters Strahlfeld zum Generalkapitel 2021 nach Simbabwe kommen zu können. Dort hätte sie die Gelegenheit gehabt, die Schule und Noku zu besuchen und sich selbst einen Eindruck von den aktuellen Umständen machen zu können. Dies kann aufgrund der Pandemie dieses Jahr nicht stattfinden. So bleiben uns „nur“ die Rückmeldungen der Menschen vor Ort und unser Vertrauen darauf, dass sich die Welt bald wieder öffnen wird und wir die komplexen Fragen der Perspektive mit den entsprechenden Menschen vor Ort angehen können.

Wir suchen nach einer Lösung, wie man die Schule, die ja aktuell noch keine staatliche Anerkennung hat, formal in die Schullandschaft von Zimbabwe einbinden kann. Mit der Anerkennung könnte sie entsprechende Fördergelder einer öffentlichen Schule erhalten. Das ist ein schwieriges und aufwendiges Unterfangen, da die vorhandenen Vorschriften der Schulbehörde eine Schule wie Pathways, deren Ausrichtung nicht akademisch sondern lebenspraktisch und autismusspezifisch ist, nicht vorsehen. Die Strukturen in den Behörden sind unverbindlich, Rechtssicherheit und Verbindlichkeit fehlt, so dass solche Verfahren über Jahre verschleppt und nicht abschließend bearbeitet werden. Und es scheint auch kein Interesse an solchen spezifischen Schulen zu geben und die Schulbehörden sind glücklich, dass sie in privater Hand sind (Hintergrundinformation: auch in Deutschland galten geistig behinderte Kinder ebenso sehr lange als bildungsunfähig und waren bis Anfang der 1970er Jahre von der allgemeinen Schulpflicht und damit dem Recht auf Erziehung und Bildung ausgeschlossen).

Eine weitere Idee für die Schule wäre eine formale Hinführung unserer Schule an den Standort der Dominikanerinnen, die auf ihrem Gelände eine Förderschule für gehörlose Kinder betreiben. Damit würde die aufwendige Schulverwaltung unter das Dach der Schwestern kommen und die Schule würde aufgrund des anderen Status Anspruch auf einen geringen Anteil öffentlicher Gelder haben. Der Orden verhält sich diesbezüglich ebenfalls zögerlich, da es auch dort an nötigen Räumlichkeiten und Ausstattungen fehlt und er in vielen caritativen und sozialen Bereichen in Zimbabwe gefordert ist.

Wir versuchen für Noku eine Langzeitperspektive zu entwickeln, da er perspektivisch mit der zunehmenden Pubertät nicht mehr im Kinderheim der Schwestern untergebracht sein kann. Die Jungs verlassen das Kinderheim Emerald Hill als Jugendliche und wechseln dann in einem Heim für ältere Jungen. Dort wäre Noku aber aufgrund seiner Einschränkungen falsch aufgehoben. Anfangs haben wir versucht, Noku an eine Familie anzubinden (ähnlich dem Modell einer hiesigen Pflegefamilie) und einige Perspektiven schienen viel versprechend. Die Pandemie hat aber den Fokus aller Mitstreiter vor Ort auf andere Bereiche gelenkt, so dass die angedachten Lösungen nicht weiter verfolgt werden konnten. Im Gespräch mit Sr Geraldine haben wir angeregt, dass Noku vielleicht am Kloster angebunden bleiben kann und dort eine Heimat finden kann. Wir denken, dass er bei weiterer Förderung durch Pathways durchaus in der Lage sein kann, einfache praktische Aufgaben zu erfüllen, die im Kinderheim und der angrenzenden Förderschule anfallen. Ideen gibt es einige, aber aktuell bleibt es offen, wie es mit ihm weitergeht, auch weil wir von Deutschland nur wenig bewegen können.

Die Kosten für den Schulbesuch belaufen sich aktuell auf 1000.00$ € plus 280.00$ Fahrtkosten pro Trimester. Über die Spenden, die regelmäßig von Euch zur Verfügung gestellt werden, kann das Schulgeld beglichen werden. Dafür habt alle Dank, die ihr sicherstellt, dass Noku weiterhin zur Schule gehen kann. Die Kosten für die Unterbringung im Heim werden über eine Art Sozialhilfe bestritten, die jedoch nicht die realen Kosten abbilden, obwohl sein Leben shr bescheiden ist. Sr Geraldine bemüht sich von Strahlfeld aus Pathways, was ihr sehr am Herzen liegt über andere Spenden zu unterstützen.

Ihr seht, wir würden gerne mehr tun und erreichen für Noku, aber die Bedingungen sind schwierig, gerade auch, weil wir nicht vor Ort  und direkt mit Menschen „verhandeln“ können.

Sobald die Pandemie es uns erlaubt, werden wir das Flugzeug besteigen und unsere Arbeit vor Ort wieder aufnehmen. Bis dahin hoffen wir auf Guten Segen für Noku und die Schule und für uns alle.

Wir danken Euch wirklich sehr für Eurer Mitwirken und Euer Interesse an unserem Tun dort und an dem Jungen am anderen Ende der Welt…

Fühlt Euch von Herzen gegrüßt und bleibt alle wohlauf in diesem Sommer

Roswitha Nass und Martin Schmidt

Spenden sind erwünscht an:

Missionsprokura Strahlfeld
DE 4174 2900 0000 0551 2018
Kennwort: Schule Noku

P.S.: Sr Geraldine hat uns nochmal darauf hingewiesen, dass bei den Überweisungen die Adresse der Spender vollständig angegeben sein muss, damit die Spendenquittungen versendet werden können. Bitte achtet darauf, damit die Spendenquittungen an Euch überstellt werden können.

Stand Oktober 2020:

NOKUTENDA

  • ist heute 10 Jahre alt
  • hat keine Familie mehr
  • nach dem Tod seiner Mutterist Noku auf der Straße aufgewachsen und hat den Stadtdschungel von Harare irgendwie überlebt
  • wurde in ein von Spenden getragenes Waisenhaus aufgenommen
  • durfte zur Schule gehen
  • ist ein liebenswerter Junge

Als wir Noku 2015 kennenlernten, trafen wir einen ängstlichen, nicht sprechenden, verschlossenen und emotional verlorenen Jungen, der weder Blickkontakt noch Interesse zeigen und nicht spielen konnte. Unter der konstanten Förderung von Pathways Autism Trust und der geordneten Welt seines Waisenhauses ist Noku in den letzten Jahren aufgeblüht, hat Sprache erlernt, sich erste Kulturtechniken wie Buchstaben schreiben und lesen oder Zahlen erfassen kleinschrittig erarbeitet. Wir konnten von Jahr zu Jahr sehen, wie gut er von der Förderung profitieren konnte, wie sich seine Selbstständigkeit entfaltet hat und wie er anfing in Kontakt zu gehen und seine Freude im Miteinander gefunden hat.

Vor unserem diesjährigen Abflug nach Harare haben wir erfahren, dass Noku die Schule nicht mehr besucht und er in einer anderen Einrichtung lebt. Niemand hatte Kontakt zu ihm und man wusste auch nicht so richtig, wie er untergebracht war.

Wir haben während unseres Aufenthaltes herausfinden können, wo er sich aufhält und wir haben ihn in seiner jetzigen Einrichtung besucht. Wir waren über seinen Zustand tiefgreifend erschüttert. Der Gesamtzustand der Einrichtung war völlig verwahrlost, der Umgangston barsch. Noku war ganz abgemagert und er zeigte erneut all das, was er überwunden zu haben schien. Er konnte nicht mehr mit uns sprechen, schien keinerlei Interesse an Kontakt zu haben, schien uns oder seinen mit anwesendem Lehrer nicht wiederzuerkennen und selbst die Gummibärchen und die Stifte, die wir mitgebracht hatten, berührte er nicht (dabei liebte er Gummibärchen zuvor über alles!!!). Seine gesamte Lebensfreude schien erloschen. Es war eindeutig, dass dieses lernwillige, elternlose Kind in dieser Einrichtung unter nicht sprechenden, geistig behinderten Kindern und Erwachsenen völlig falsch aufgehoben war. Das konnten wir nicht akzeptieren!

Wir haben in Gesprächen mit der Heimleitung und der Leitung von Pathways Autism Trust eine gemeinsame Haltung erzielen können, so dass wir Noku aus der Einrichtung herausholen konnten. Alle Personen, die zuvor mit der Betreuung befasst waren, haben diesen Schritt unterstützt. Das Problem war und ist die Bezahlung der Schule, die den Betreuungssatz des Kinderheims sprengt. In Simbabwe gibt es weder für das Waisenhaus noch für die Schule irgendeine Form von staatlicher Unterstützung und die wirtschaftlichen Gegebenheiten im gesamten Land Simbabwe sind völlig desaströs.

Wir unterstützen Noku und haben die direkte Rückkehr in das Waisenhaus und die Schule finanziell ermöglicht. Wir sind aber auf Spenden für die weitere Beschulung angewiesen und versuchen einen Unterstützerkreis aufzubauen, so dass seine Talente weiterhin gefördert werden können und er eine Chance auf ein lebenswertes und selbstbestimmtes Leben erhält.

Für die Unterbringung im Waisenhaus, die Fahrt zur Schule und für die Beschulung entstehen monatlich Kosten von 260$. Kosten, die in Deutschland selbstverständlich vom Staat getragen werden–in Simbabwe nicht.

Wir hoffen und wünschen, dass über gelegentliche oder monatliche Spenden langfristig Nokus Leben in menschenwürdigen Verhältnissen abgesichert wird und hoffen auf deine/eure Unterstützung!

Bei den Schwestern ist ein Konto eingerichtet und die Dominikanerinnen werden das Geld treuhänderisch verwalten, damit es in den afrikanischen Wirrnissen nicht verloren geht. Wir verbürgen uns dafür, dass das Geld zu 100% bei Noku ankommen wird.

Wir danken aus ganzem Herzen dafür, dass Ihr ihm helft und danken für all die Unterstützung, die wir auch bereits in den letzten Jahren erhalten haben. Sonst wäre die Schule schon längst nicht mehr tätig und Noku wieder irgendwo im Stadtsumpf verschwunden.

Martin Schmidt und Roswitha Nass

Spenden sind erwünscht an:

Missionsprokura Strahlfeld
DE 4174 2900 0000 0551 2018
Kennwort: Schule Noku